28.10.2018

Ehre, wem Ehre gebührt

Sicher ist dieses Zitat stark strapaziert. Für das hier dokumentierte Ereignis gibt es jedoch kaum eine passendere Überschrift.

1948 geboren, 1975 dem THW beigetreten. Nach der Verpflichtungszeit dabeigeblieben. Bis heute. Diese dünnen Worte beschreiben die Rahmendaten des THW-Lebenslaufes von Jürgen Linsenmaier.

Das sind 43 Jahre. Was ist in dieser Zeit alles passiert? Was hat dieser Mann geleistet? 

Schon früh zeigte sich, das Jürgen ein engagierter Helfer war. Schnell wurde er als Trupp- und Gruppenführer eingesetzt. Er war Helfersprecher. Schirrmeister. Erwarb den Führerschein Klasse 2 (heute CE). 1995 wurde er dann zum stellvertretenden Ortsbeauftragten ernannt. Mittlerweile vertritt er den dritten Ortsbeauftragten. Seit 23 Jahren übt er diese Aufgabe nun aus. Eine unfassbare Zeit, Kontinuität, Ausdauer und Treue. 12012 trat sein "zweiter" Ortsbeauftragter krankheitsbedingt unvermittelt zurück. Das Amt verwaiste. Jürgen stellte sich der Aufgabe und verwaltete den Ortsverband, bis ein neuer Ortsbeauftragter gefunden und berufen war. Dann rückte er wieder in die zweite Reihe und unterstützte den Neuen nach Kräften. Seine diplomatische Art, die Fähigkeit, in klaren Worten Position zu beziehen, sein steter Einsatz auch heute noch machen ihn zu einem unverzichtbaren Faktor im Ortsverband Kleve.

Diese Leistungen, dieser Beitrag, diese Arbeit sollten entsprechend gewürdigt werden. Dem Antrag, Jürgen Linsenmaier mit dem Ehrenzeichen des THW in Bronze zu ehren wurde entsprochen. So hat dann der Ortsverband eine Feierstunde geplant und vorbereitet. Bescheiden und zurückgenommen, wie es seine Art ist, hat Jürgen bis zuletzt nicht geglaubt, dass er es ist, der an diesem 27.10.2018 im Mittelpunkt steht.

Der Ort des Geschehnisses war die Wasserburg in Kleve-Rindern. Sie liegt in unmittelbarer Nähe zum Ortsverband und im selben Stadtteil, in dem Jürgen mit seiner Frau wohnt. Bei dem letzten Dienst vor der Veranstaltung bekam er wohl eine deutliche Ahnung, den dann kam die Ansage: "Übrigens, du musst nicht selber fahren. Du wirst abgeholt. Denk dran, deine Frau und Familie sind auch eingeladen."

Am Vormittag wurde der Ort vorbereitet: Der Saal blau geschmückt, die Fahrzeuge ausgerichtet. Die Junghelfer wurden in den Parkplatzdienst eingewiesen. Die gesamte Helferschaft rückte an. Die Uniformen sauber und die Stiefel geputzt. Selbst das Wetter spielte mit, in klarer Luft strahlte die Sonne über uns. 

Dann kam der Mannschaftstransportwagen mit dem Hauptdarsteller . Die Helfer sind in Reihe angetreten zur Begrüßung. Daneben kamen die geladenen Gäste: Freunde von Jürgen, Vertreter der Polizei, der Feuerwehr. THW-Kameraden aus umliegenden Ortsverbänden. Auch von der Regionalstelle Wesel kamen Kameraden, vom Landesverband reiste Herr Paul Müller-Lindloff an. Die Presse schickte Journalisten vorbei. Der stellvertretende Bürgermeister, Herr Schmidt, vertrat die Stadt Kleve. 

Gegen 14:30 Uhr betraten die Teilnehmer der Veranstaltung den vorbereiteten Saal. Eine Junghelferin hatte die Aufgabe, die Türe zu bedienen, Reka: Du warst tapfer. Es war kalt, Du warst allein auf dem Posten. Trotzdem hast Du den Dienst getan. Das Personal der Wasserburg erwartete uns mit einem Glas Sekt und anderen Getränken zur Begrüßung. 

Nach einem angemessenen Zeitraum bat der Moderator die Gäste zu den Plätzen. Die erste Ansprache kam vom Ortsbeauftragten Niclas Janßen.  In einer emotionalen Rede zeichnete er die Geschichtete seines Stellvertreters nach und würdigte seine Leistungen. Sein tief empfundener Dank kam deutlich zum Ausdruck. Während der Veranstaltung warf ein Beamer ein Bild an die Wand, welches im März 2018 entstanden war. Es zeigte eine Gruppe von Helfern, mit Jürgen in der Mitte. Der Ort war die Rheinbrücke zwischen Emmerich und Kleve. Oben, auf dem Pfeiler, 70 Meter über der Fahrbahn. Der Aufstieg war der Abschluß einer Übung. 60 Meter Leiter waren zu klettern. Jürgen war oben, mittendrin.

Nach dem Vortrag leitete der Moderator zu einem musikalischen Beitrag über.Recherchen während der Vorbereitung ergaben, dass Jürgen ein Fan von Marius Müller-Westernhagen ist. Und so brachte Mattes Wissing, Profimusiker und Gitarrenlehrer, das Stück "Sexy" zu Gehör. Schon nach wenigen Takten sah man überall im Publikum, dass der Funke übersprang.

Nach dem Beitrag überbrachte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Kleve, Herr Schmidt, ein Grußwort der Stadt Kleve. In gewandten Worten würdigte er den Anteil des THW am Schutz der Bevölkerung. 

Nach dieser Rede gab der Moderator die Bühne wieder für die Musik frei. Nun kam das Stück "Freiheit", ebenso wie das erste Stück vom selben Album.

Nun wurde es ernst. Herr Paul Müller-Lindloff betrat die Bühne. Der Referent für das Ehrenamt beim Landesbeauftragten NRW vertrat seinen Vorgesetzten, der normalerweise selbst solche Auszeichungen übergibt. Er wies darauf hin, das normalerweise solche Positionen im Schnitt ca. sieben Jahre besetzt sind, bis dann ein Wechsel stattfindet. Alleine dies zeigt die Bedeutung, Leistung und Ausdauer. Gegen Ende seiner Ansprache bat er Jürgen auf die Bühne und verlas den Text der Urkunde: "Verleihungsurkunde. Als Anerkennung für die vorbildliche Einsatzbereitschaft und die erworbenen Verdienste im Technischen Hilfswerk verleihe ich Herrn Jürgen Linsenmaier das Ehrenzeichen in Bronze der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. Bonn, den 27. Oktober 2018, Albrecht Brömme. Der Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk. " Dazu zeigte er die Schatulle, die den Orden in dreifacher Ausführung enthält: Einen Pin, eine Bandschnalle und eine große Ausführung. Diese große Ausführung der Auszeichnung steckte Niclas Janßen seinem Stellvertreter ans Revers. 

Nun löste sich die Spannung ein wenig. Jürgen Linsenmaier trat dann selbst ans Mikrofon und sprach über die Dinge, die ihn bewegten. Seinen Eintritt ins THW, seine Motivation. Er beteuerte, nicht gewusst zu haben von Sinn Zweck der Veranstaltung, an der er gerade teilnahm. Alle hätten ihn im Dunkeln gelassen. Die Organisatoren schreiben das eher seiner Bescheidenheit zu,  er konnte sich nicht vorstellen, das es um ihn ging.

So erfüllte sich der Leitsatz der Einladung: "Wir haben einen Grundsatz bei unseren Weisen gefunden: Die Ehren geben man dem, der sie nicht sucht."

Es folgte die Übergabe eines Geschenkes und Blumen für die Gattin. Anschliessend gab es noch ein Glas Sekt und einen kleinen Imbiss, der von der Küche gereicht wurde. 

Damit neigte sich der Festakt dem Ende zu. Als die Gläser und Platten geleert waren gab der Moderator den Hinweis, das die Feier an der Unterkunft weitergeht und alle Gäste dazu eingeladen sind. Viele Gäste folgten der Einladung und feierten mit uns im Ortsverband. Dort nahm ein feierlicher Tag ein fröhliches Ende. Die Geschichten, die der Abend schrieb, mögen ein andermal erzählt werden.

 

 

 

 


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